Top Ten Fragen
An dieser Stelle können unsere (uns persönlich bekannten) Patienten all die medizinischen Fragen stellen,
die sie schon immer einmal stellen wollten. Diese Fragen und unsere Antworten
werden dann hier in fortlaufender Reihenfolge anonymisiert veröffentlicht.
Bitte mailen Sie uns zu diesem Zweck an!
Frage: Hilfe Kopfläuse, was können wir tun ?
Herr Menze: Kopfläuse erkennen Sie meistens an den von den Läusen abgelegten Eiern (Nissen). Am besten hinter den Ohren, im Nacken oder in der Schläfenregion. Seltener findet man auch die Läuse (6 Beine, 2-3 mm lang, bräunlich) oder deren „Kinder“, die Larven, selbst. Häufig macht Lausbefall keine Symptome, manchmal aber auch einen juckenden, brennesselartigen Hautausschlag. Die Übertragung erfolgt fast immer von Mensch zu Mensch bei sehr engem Kontakt („Köpfe zusammen stecken“, deshalb sind bei Mädchen Läuse häufiger als bei Jungen !), ganz selten über Schals oder Mützen die an der Garderobe zusammenhängen. Läuse können nicht springen. Eine Übertragung durch Haustiere gibt es nicht.Ein Behandlungsversuch ist möglich mit Essigwasser (1 Teil 6% Speisessig auf 2 Teile Wasser), 10 Minuten einwirken lassen, dann Auskämmen der Nissen mit einem speziellen Nissenkamm (siehe Astrid Lindgren „Madita“). Bei Erfolglosigkeit kann auch mit Medikamenten, die äußerlich angewendet werden, behandelt werden (Allethrin, Lindan, Permethrin, Pyrethrum), wichtig ist eine zweite Behandlung nach 8-10 Tagen. Die Läuse und lebenden „Eier“ sind dann abgetötet. Trotz weiter sichtbarer Nissen ist man in fast 100% der Fälle schon nach der ersten Behandlung nicht mehr „ansteckend“. Kindergarten und Schule können nach gründlicher Untersuchung wieder besucht werden. Eine Bescheinigung über eine „sachgerechte“ Behandlung durch die Erziehungsberechtigten reicht bei erstmaligem Befall zur Wiederaufnahme in Schule oder Kindergarten aus. Nur bei wiederholtem Nissenbefall innerhalb 4 Wochen ist ein ärztliches Attest zur Bescheinigung des Behandlungserfolges erforderlich ! Neben der „Hauptperson“ sollten auch alle Kontaktpersonen untersucht und ggfs. behandelt werden. Außerdem ist eine sofortige „Sanierung“ der Umgebung erforderlich: Waschen der Kleidung und Bettwäsche bei 60°, Einsprühen mit Desinfizientien, Kühlen in der Truhe über einen Tag, Behandlung im Trockner bei 45° über 1 Stunde oder Verschließen der Kleidung in einem Plastikbeutel zum Aushungern der Läuse über 4 Wochen. Vor jeder Behandlung mit „chemischen“ Mitteln zur Beratung zum Arzt !
Frage: Muß ich nach einem Zeckenstich zur Blutuntersuchung kommen, um festzustellen, ob ich an Borreliose erkrankt bin ?
Herr Menze: Nein, die Borreliose-Erkrankung ist eine sogenannte „klinische Diagnose“. Man unterscheidet 3 Stadien: das „erythema chronicum migrans“, eine Tage bis Wochen nach Zeckenbiß sich von der Bissstelle ringförmig ausbreitende Rötung , die Wochen bis Monate später auftretende Nervenbahn- oder Hirnhautentzündung im Stadium II, im Stadium III schließlich eine besondere Form von Rheuma, an dem man nach Monaten bis Jahren erkranken kann. Die Stadien müssen nicht alle „durchlaufen“, sondern können auch „übersprungen“ werden. Mit der Blutuntersuchung stellen wir nur fest, ob sich Ihr Körper jemals mit Borrelien auseinandergesetzt, also eine Immunität gegen eine der vielen Gruppen von Borrelien erworben hat (so wie man bei Schwangeren durch Antikörperbestimmung feststellt, ob eine Immunität gegen Röteln besteht). Eine Immunität gegen alle in der Natur vorkommenden Borrelienarten kann man nicht erwerben. Alleine der Blutnachweis von Antikörpern gegen Borrelien ohne Diagnose eines der drei oben genannten Erkrankungsstadien ist kein Grund zu einer antibiotischen Therapie ! Auch eine vorsorgliche antibiotische Therapie nach jedem Zeckenbiß oder bei Nachweis von Antikörpern ist nicht sinnvoll. Also: Vorsichtsmaßnahmen wie geeignete Kleidung, Insektenschutz für die Haut, Absuchen der Haut und im Zweifesfall lieber gleich zu uns !
Frage: Sie führen in Ihrer Praxis auch Impfungen durch, welche neuen Impfempfehlungen der STIKO gibt es ?
Herr Menze:
Impfung gegen Pneumokokken?
Die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch Institutes) empfiehlt nach Nutzen/Risikoabwägung und Beobachtungen in den USA und Kanada die Impfung aller Kinder bis zum Abschluß des zweiten Lebensjahres gegen Pneumokokken (Erreger der Lungenentzüdung, Mittelohrentzündung oder Hirnhautentzündung). Es müssen 4 Impfungen verabreicht werden, aber nicht gleichzeitig mit den anderen bisher üblichen Impfungen (gehäuft Fieberreaktionen). Durch die Impfung, die nicht gegen alle Arten von Pneumokokken schützt, können bei Impfung möglichst aller Kinder knapp 70% aller Pneumokokken-Infektionen vermieden werden (= ca. 350 Erkrankungsfälle von 1/97 bis 3/03). Nebenwirkungen sind Fieber, allergische Reaktionen, Blutbildveränderungen.
Impfen gegen Meningokokken ?
Die STIKO empfiehlt nach Einführen der Meningokokkenimpfung in Großbritannien auch bei uns diese Impfung für alle Kinder ab dem zweiten Lebensjahr (1 Impfung). Meningokokken verursachen lebensgefährliche Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen, Rheuma. Im Jahr 2005 gab es 600 gemeldete Meningokokkenerkrankungen in der gesamten Bundesrepublik, davon 20% durch Meningokokken der Gruppe „C“ gegen die der Impfstoff schützt. Hochrechnungen lassen bis 25 Todesfälle durch Meningokokken der Gruppe „C“ pro Jahr vermuten. Durch die Impfung könnten rechnerisch ca. 70 Erkrankungen und bis zu 8 Todesfälle im Jahr verhindert werden. Nebenwirkungen sind Fieber und allergische Reaktionen.
Impfen gegen Varicellen (Windpocken ) ?
Die STIKO hat die Aufnahme der Varizellenlebendimpfung in den Impfkalender empfohlen (1 Impfung bis zum 13. Lebensjahr, danach 2 Impfungen). Ca 750000 Menschen erkranken jährlich an Windpocken. Etwa 4000 davon müssen stationär behandelt werden. Seltene Komplikationen sind bei Immungesunden Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Nierenentzündungen, Rheuma, später die Gürtelrose. Schwere Verläufe können durch die Impfung in 70-90% verhindert werden. Nebenwirkung der Impfung ist v.a. eine vermutete, aber bisher in den USA nach langjähriger Erfahrung (40 Millionen Impfdosen) nicht bestätigte, Verschiebung der Varizellenerkrankung ins Jugend- und Erwachsenenalter, wo Komplikationen häufiger und schwerwiegender auftreten. Viele Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten.
Vereinbaren Sie doch einen Termin zur persönlichen Impfberatung und bringen Sie bitte, falls vorhanden, Ihren Impfausweis mit !
Frage: Ein Angehöriger wurde im Krankenhaus behandelt und bei ihm wurden MRSA nachgewiesen, was ist das und wie müssen wir uns verhalten ?
Herr Menze: Bei „MRSA“ oder „ORSA“ (Methicillin- oder Oxacillin-Resistentem Staphylococcus Aureus) handelt es sich um Bakterien, die sogenannten Staphylokokken, die bei mindestens 20% aller Menschen auf der Haut und den Schleimhäuten, bevozugt aber in der Nase, ständig vorkommen. Diese Bakterien können mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr behandelt werden. Abwehrgeschwächte Patienten (chronische Wunden, Diabetes, Chemotherapie, Ekzeme) können diese Keime aufnehmen und dann erkranken (Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, selten auch Herzinnenhautentzündungen). Daher sollten alle Patienten, bei denen MRSA durch Haut- oder Schleimhautabstrich nachgewiesen wurde, mit besonderen Medikamenten behandelt werden. Erstens, um sich vor Eigeninfektionen zu schützen, zweitens um andere Patienten vor Neuinfektion zu schützen. Die Behandlung besteht in einer Desinfektion der Haut durch Waschung mit jodähnlichen Lösungen, Desinfektion der Nasenschleimhaut mit speziellen Nasensalben, ggfs. auch antibiotischer Therapie durch intravenöse Antibiotika, auf die MRSA noch empfindlich sind.
Gesunde Kontaktpersonen zu Hause erkranken nicht an MRSA. Die „normale“ Hygiene, Händewaschen reicht aus. Nur bei Kontakt mit Wundsekret, Blut oder Urin der MRSA-Träger sollten Einmalhandschuhe und Schutzkittel getragen werden, nach Ende der Behandlung die Hände desinfiziert werden. Wäsche bei 60° waschen und während der Behandlung täglich wechseln. Die nähere Umgebung (Nachttisch, Bett, Bettpfanne, Urinflasche) mit vom Robert-Koch-Institut anerkannten Desinfektionsmitteln reinigen.
Desinfektionsmittelliste vom Robert- Koch- Institut
